Fährtentraining

Die Welt mit der Nase zu erkunden, ist eine der natürlichsten Beschäftigungen des Hundes. Wir können nur ansatzweise erahnen, welche Aromen-Explosionen in den Riechern unserer Vierbeiner passieren. Kein Wunder: Der Mensch hat etwa 5 Millionen, während Hunde – je nach Rasse – mit zwischen 125 und 220 Millionen Riechzellen auftrumpfen. Ich merke oft, wie k.o. Henry nach einer ausgiebigen Schnüffelrunde ist. Er hat dann richtige kleine Erschöpfungsfalten um die Lefzen, und die Augen schauen sehr müde und zufrieden drein … Habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, eure Hunde “professionell” durch die Gegend schnuppern zu lassen? Eine, die sich mit dem Fährtentraining richtig gut auskennt, ist Maike Frenzel – ihre mobile Hundeschule und Verhaltensberatung hundeglücklich haben wir euch bereits in einem Artikel auf MyDog – der HundeBlog vorgestellt. Jetzt verrät Maike, wie diese Art der Spurensuche genau funktioniert und wie ihr mit eurem Vierbeiner einen erfolgreichen Schnüffelstart hinlegt …

Kannst du uns ein bisschen mehr über´s Fährtentraining erzählen? Hunde haben ja eine enorme Riechleistung. Daher haben Gerüche eine sehr große Bedeutung für sie. Folglich sind Düfte auch ein wesentlicher Bestandteil der hundlichen Kommunikation. Fährtenarbeit ist Nasenarbeit und entspricht daher ganz und gar der Hundeart. Eine Fährte ist hoch spannend. Hierbei geht es vor allem um die Düfte der mechanischen Bodenverletzung, also der beschädigten Erdoberfläche, zertretener Pflanzenteile und Kleinstlebewesen. Bei der Fährtenarbeit wird von einem Fährtenleger eine Spur gelegt. Auf dieser werden verschiedene Gegenstände (aus Leder, Holz, Kunststoff) ausgelegt, die der Hund beim Absuchen entweder passiv anzuzeigen (zu verweisen) oder aufzunehmen hat. Er kann damit auch einen bestimmten Geruch identifizieren (Geruchsunterscheidung). Der Hundeführer folgt seinem Hund an einer Schleppleine.

Intensiv einer Spur zu folgen, bedeutet neben der körperlichen Auslastung auch ein hohes Maß an Konzentration. Somit kann die Fährtenarbeit auch unterstützend bei einem Verhaltenstraining eingesetzt werden. Etwa bei sehr Umwelt unsicheren Hunden, die ihren Fokus somit weg von den Außenreizen hin zu der Fährte legen können. Zudem wächst das Selbstbewusstsein der Hunde durch ihr erfolgreiches Tun. Jagdlich interessierte Hunde können über die Fährte Elemente ihrer jagdlichen Passion (kontrolliert) ausüben. Am wundervollsten ist, wie ich finde, dass wir im Bereich der Nasenarbeit einmal dem Hund in seine Welt folgen können. Mit unserem vergleichsweise kläglichen Riechvermögen müssen wir Menschen uns hier letztendlich auf unsere Hunde verlassen, ihnen vertrauen und sollten ihnen in dieser Form der Zusammenarbeit getrost folgen.

Wie erkenne ich, ob meinem Hund diese Art des Trainings liegt? Hunde sind „Nasentiere“, daher liegt das Schnuppern, Schnüffeln, Riechen in der Natur eines jeden Hundes. Der eine verfolgt eine Spur vielleicht etwas gemütlicher, der andere ist ambitionierter und zu Höchstleistungen in der Lage. Für den einen reichen kürzere Würstchenschleppen und andere „Spaß-Fährten“, der andere freut sich über längere, verwinkelte Trails. Fakt ist für die Fährtenarbeit allerdings, dass der Hund mit tiefer Nase sucht. D. h. der Hund folgt mit tief am Boden gehaltener Nase in gleichmäßigem Tempo intensiv dem Fährtenverlauf. Grundsätzlich gilt, dass wir in allen Bereichen, die wir mit unseren Hunden unternehmen, auf ihre Zusammenarbeit und Kooperation mit uns angewiesen sind – das Prinzip der Freiwilligkeit und dem Wunsch auf „Erfolg“ vorausgesetzt. Zeigt ein Hund wiederholt sehr schnell Desinteresse und/oder Lustlosigkeit, so sollte z. B. überdacht werden, ob die bisherige Herangehensweise demotivierend, der Trainingsaufbau evtl. fehlerhaft war ODER ob gerade jener Hund vielleicht viel lieber ein anderes Hobby hätte.

Wo liegt deiner Erfahrung nach die größte Herausforderung beim Fährtentraining? Für den Menschen ist es sicherlich die größte Schwierigkeit, den Hund bei seiner Arbeit nicht zu stören. Er sollte seinen Hund so gut „lesen“ lernen, dass seine Hilfen adäquat minimal unterstützen, bestenfalls ganz entfallen. Ist dem Menschen die Fährte bekannt, kommt es schnell zu einer unbewussten Signalgebung an den Hund, wie und wo es weitergeht. Das ist nicht der Sinn, denn hier sollen einmal wir unseren Hunden folgen. Anfänglich unterschätzt der Mensch den Einfluss der gegebenen Wind-, Witterungs- und Bodenverhältnisse. Bald allerdings erkennt man ihre Bedeutung als wichtige Mit- oder Gegenspieler. Viele Hunde haben Schwierigkeiten mit der Konzentration und dem Fokussieren. Jenseits von Rasse und Persönlichkeit, lernen es viele Hunde schlichtweg nicht. Auch dafür ist die Fährtenarbeit eine wundervolle Möglichkeit. Abhängig davon, wo und wann die Spur gelegt wurde, gibt es natürlich im städtischen Umfeld eine extreme Kontaminierung mit verschiedensten Geruchsstoffen. Dies sollte beim Aufbau des Trainings einkalkuliert und bedacht werden.

Fährtentraining Pixabay

Wie kann man seinen Hund zu Hause schon einmal auf das richtige Training vorbereiten? Gerne können vorab erste Suchübungen zu Hause und outdoor etabliert werden. Hier bietet sich die Suche nach kleinen Leckerlies, dem Futterbeutel oder auch dem Lieblingsspielzeug an. Ein gut sitzendes Geschirr (oder auch ein besonderes Halsband), das der Hund nur mit dieser Arbeit verknüpft und das auch nur vor der eigentlichen Fährtenarbeit angelegt wird. Die benötigte Schleppleine sollte 10m (mindestens 5-7m) lang sein. Die Ausrüstung sollte der Hund bereits vorher positiv kennengelernt haben und sich durch das Tragen weder gestört noch unwohl fühlen.

Wie läuft das Fährtentraining in der Gruppe ab? In meinen Einsteigerkursen werden neben dem theoretischen Unterbau verschiedene Schleppen, Fährten, Trails vorgestellt und ausprobiert, die auch im Alltag umgesetzt werden können. Zudem kann so auch geprüft werden, woran jedes Team besonderen Spaß hat. In weiterführenden Kursen ist dann eine Spezialisierung möglich und die entsprechenden Spurensuchen (Spaßfährten/-schleppen, Fährtentraining, Mantrailing) werden weiter ausgearbeitet. Das Training findet in kleinen Gruppen statt, sodass viel Praxis im aktiven Tun oder der aktiven Unterstützung gegeben ist.

Was bewirkt Fährtentraining in der Beziehung zwischen Mensch und Hund? Das Arbeiten an einer gemeinsamen Sache und der gemeinsame Erfolg stärken den Zusammenhalt und die Bindung. Das Verstehen und Lesen voneinander wird verfeinert. Vor allem kehrt Ruhe ein; das gesprochene Wort ist hier nicht wichtig, hier gilt es, die Langsamkeit (wieder) zu entdecken, seinen Hund zu beobachten und ihm zu folgen. Dadurch lernt uns der Hund auch einmal von einer anderen Seite kennen.

Bietest du aktuell Fährtentraining an? Die nächsten freien Fährtenkurse beginnen im März 2017. Schwerpunktmäßig finden sie im Hamburger Bezirk Nord statt. Z. B. kostet ein Einsteigerkurs mit 5 Terminen 80 Euro.

Das große Schnüffeln kann beginnen – wir wünschen euch viel Spaß dabei!

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