Pudel Benson

An manch flüchtige Begegnung erinnert man sich noch lang – eigentlich war das Treffen mit Benson und seinem Frauchen im Bergedorfer Wald nicht besonders spektakulär: Mit Hund und Rad war ich vor Jahren auf dem Weg zum Brötchen holen, als sich unsere Wege kreuzten. Die beiden Rüden legten eine Spielrunde ein, während Isabelle Jährig (27) und ich einen oberflächlichen Plausch hielten – ich weiß gar nicht, ob sie sich noch daran erinnert. Ihre ruhige Art und Bensons imposante Erscheinung blieben mir jedenfalls im Gedächtnis. Umso mehr freue ich mich, euch den Werdegang dieses tollen Duos vorzustellen. Die engagierte Bibliotheksleiterin nimmt Kindern mit Hilfe ihres Hundes die Scheu vor dem Lesen, und war mit dem empathischen Rüden auch bereits als Besuchshund im Einsatz … (Dieser Beitrag enthält Werbung durch Markennennung & Verlinkung)

Wie bist du auf den Hund gekommen? Hunde haben mich schon als kleines Mädchen fasziniert – ich wollte immer einen eigenen haben. Leider gibt es in meiner Familie Allergiker, daher blieb dieser Wunsch erstmal unerfüllt. Während meines Studiums in Hamburg lernte ich eine Kommilitonin kennen, die einen Hund besaß. Von ihr erfuhr ich, dass viele Allergiker auf Pudel keine Reaktion zeigen. Meine erster Gedanke war: Ein Pudel? Ehrlich? Ich kannte die Klischees rund um diese Rasse …

Doch die Möglichkeit, einem Hund ein schönes Leben zu bieten, ließ mich nicht los. Also startete ich meine Recherche und siehe da: der Pudel schien ein toller Hund zu sein! Ich hielt bei meiner Familie ein Plädoyer für diese Rasse – und hatte Erfolg. Ein Hobbyzüchter in der Nähe hatte noch den Teil eines Wurfes da, und aus „lasst uns nur mal gucken“ wurde Benson (5). Sein lockiges Fell war einfach zum knuddeln, doch was uns am meisten faszinierte war sein lustiges Wesen.

Man braucht ihn nur anzusehen und schon hat man ein Lächeln im Gesicht!

Im Nachhinein würde ich mich immer wieder für einen Großpudel entscheiden. Der Charakter der Tiere inspiriert mich. Und auch wenn man Haare auf der Kleidung gerne als „Hunde-Glitzerstaub“ bezeichnet, schätze ich die „Haarlosigkeit“ eines Pudels sehr; was auch positiv für die Arbeit in der Bibliothek ist.

Pudel Benson

Wie bist du darauf gekommen, mit Benson`s Hilfe leseschwache Kinder zu motivieren?
Die Idee entstand aus dem Wunsch, Hobby mit Beruf zu verbinden und mehr Zeit mit meinem Vierbeiner zu verbringen. Es gibt weltweit ähnliche Aktionen – allerdings gab es darüber noch nicht viel Berichterstattung, als mein Projekt in Planung war. Ich las damals einen Artikel über einen Hund in einer wissenschaftlichen Bibliothek in Amerika. Dort half der Vierbeiner den Studenten zwischen dem vielen Lernen und Arbeiten zur Ruhe zu kommen. Darauf basierend fand ich Infos über ein Projekt mit Hunden zur Leseförderung von Kindern: Man stellte fest, dass der Hund für viele Kinder eine große Motivation ist – ich darf Zeit mit dem Vierbeiner verbringen, dann ertrage ich auch das „blöde“ Buch.

Die Kleinen bekommen wieder Spaß am Lesen, und ganz nebenbei verbinden sie das tolle Erlebnis auch mit der Bibliothek. 
Daraufhin erarbeitete ich ein Konzept für die Bücherhallen Hamburg. Diese fanden meinen Vorschlag sehr schön und ließen mich das Projekt unter gewissen Bedingungen in der Stadtteilbibliothek, die ich leite, ausprobieren. Geklärt werden musste die Versicherungsfrage, ob das Team mit einem tierischen Mitarbeiter klar kommt und wie mit möglichen Allergien umgegangen wird. Glücklicherweise trägt die Haftpflichtversicherung solche ehrenamtlichen Einsätze, das Team war nach einem ersten Kennenlernen des Hundes begeistert und durch seine besondere Fellstruktur stellt Benson für die meisten Allergiker kein Problem dar.

Wie kommt Benson seiner Aufgabe nach?
Er ist da – das ist seine Hauptaufgabe. Sein neugieriger Charakter vermittelt den Kindern eine große Offenheit, ohne aufdringlich zu wirken. Während des Lesens hört Benson den Kindern geduldig zu. Er lacht nicht, urteilt nicht und verbessert nicht. Nach dem Lesen dürfen die Kids noch ein paar Tricks mit ihm ausprobieren, ihm ein Leckerchen geben und ihn streicheln.

Gerade das Tricktraining steigert auch das oft angegriffene Selbstbewusstsein der Kinder. Viele von ihnen überwinden durch Benson sogar ihre Angst vor Hunden. 

Er selbst findet es toll, dass ihm soviel Aufmerksamkeit geschenkt wird – und auch Leckerchen (die eigentlich sein normales Hundefutter sind). Solange Frauchen dabei ist, macht Benson gerne mit. Für ihn ist das durchaus eine geistige Beschäftigung, die ein Pudel braucht.

Pudel sind sehr intelligente (und sture) Tiere.

Wo und wann kann man dich und Benson zum Lesen treffen?
Derzeit gibt es das Angebot nur in der Bücherhalle Bergedorf (Alte Holstenstraße 18, 21031 Hamburg). Aufgrund der räumlichen Situation bieten wir das Projekt „Lesepudel“ nur freitagmorgens an. Die gesamte Organisation läuft über die Schulen. Haben ein Kind oder die Eltern Interesse an dem Angebot, müssen sich diese an die Schule des Kindes wenden und diese wiederum an uns. Alternativ bieten wir das Projekt auch in den Sommerferien an.

Pudel Benson

Ist Benson auch noch als Besuchshund beim Arbeiter-Samariter-Bund aktiv?
Aus zeitlichen und persönlichen Gründen sind Benson und ich derzeit nicht mehr als Besuchshund im Einsatz. Seine Tätigkeit als „Lesepudel“, meine eigene Familie und die Vollzeittätigkeit bei den Bücherhallen nehmen viel Zeit in Anspruch. 
Benson hat in seiner Tätigkeit als Besuchshund zum einen Kitas besucht.

Dort war es seine Aufgabe den Kindern beizubringen, wie man mit Tieren/Hunden umgeht. Besonders auch die Besuche in Altenheimen haben uns gezeigt, wie wichtig solche Aktionen sind. Insbesondere demenzerkrankte Personen bekommen oft noch einmal die Möglichkeit, für kurze Zeit zurück in ihr altes Leben zu schlüpfen. Dies ist nicht nur eine Herausforderung für den Hund, der sehr ruhig agieren muss, auch der begleitende Mensch ist gefragt. Der Hund ist die Brücke für das Gespräch zwischen den Menschen …

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Besuchshunde werden beim ASB auch gern für Öffentlichkeitsarbeit herangezogen. Viele waren beeindruckt, dass ein Pudel Rettungshund sein kann, da wir als Besuchshund zur Rettungshundestaffel gehören. Daraufhin erläuterte ich immer, dass wir nur Besuchshund und in der Leseförderung tätig seien. Ein toller Mensch sagte: „Wieso nur? Sie retten auch Leben. Sei es bei den älteren Menschen als Rettung vor der Einsamkeit, oder bei den Kindern zur Prävention eines Bisses aufgrund von Fehlverhalten. Außerdem retten Sie leseschwache Kinder davor, dass das Lesen eine unüberwindbare Hürde für ihre Zukunft wird.“ Dieses Bewusstsein ist ein Lohn, der durch Geld nicht zu ersetzten ist!

Wie kann ich feststellen, ob solche Einsätze auch etwas für meinen Hund wären?
Mir war damals der „Besuchshundewesenstest“ eine große Hilfe, denn ich war und bin keine Hundeexpertin/-trainerin. Dort wird die Reaktion des Hundes in bestimmten Situationen getestet. Außerdem muss er mit Kindern umgehen können und ein offenes Wesen haben. Er darf noch nie gebissen haben und er sollte ohne Probleme bis zu einer Stunde ruhig liegen können. Vor allem aber sollte der Hund seinem Besitzer vertrauen, damit letzterer den Hund Stück für Stück an seine Tätigkeit heranführen kann.

Pudel Benson

Nach welchen Erziehungsgrundsätzen arbeitest du mit deinem Hund?
Da Benson mein erster Hund ist, ist die Frage ob ich schon vollends ausgebildete Erziehungsgrundsätze habe. Allgemein lässt sich sagen, dass ich viel aus den Büchern von Martin Rütter in Bensons Ausbildung habe einfließen lassen. Wichtig ist mir vor allem eine liebevolle Erziehung. Da darf Benson auch ein Leckerchen (sein normales Hauptfutter) bekommen, wenn er etwas richtig gemacht hat. Genauso wichtig sind Grenzen, die der Hund kennen muss. Wichtig ist mir auch die Kommunikation mit meinem Vierbeiner über die Körpersprache – so mache ich es ihm einfacher zu verstehen, was ich von ihm möchte.

Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus?
Derzeit sind Benson und ich dabei, unser Projekt auszuweiten: Wir fangen gerade an Bilderbuchkinos mit Hund anzubieten. Damit haben Kitagruppen die Möglichkeit, die Bücherhallen auf andere Art und Weise zu entdecken und den Umgang mit dem Hund zu lernen. 
Außerdem überlegen wir, wie Benson bei Klassenführungen in der Bücherhalle helfen kann. Und: Nicht nur für die Kinder ist Benson eine Bereicherung. Auch meine Mitarbeiter blühen noch mehr auf, wenn er da ist. Er lockert die Stimmung und hat einfach alle lieb!

Gefällt euch die Arbeit dieser Beiden genauso gut, wie uns? Ihr könnt Isabelle und Benson über Facebook sowie die Homepage der Bücherhalle Bergedorf erreichen.

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