tierschutzhund pixabay

… habe ich einer netten Dame erklärt – und mich dabei fast ein bisschen geschämt. Denn ihrer ist ein „Tierschutzhund“, wie sie mir mehrmals mitteilte. Henrys heile Welt kann mit der Härte der Straße nicht mithalten. Deshalb darf ihre Hündin meinen Rüden wohl auch mobben, „sie musste sich früher ja alles erkämpfen“. Ja, das ist traurig. Kann sie bitte trotzdem damit aufhören? In den letzten Jahren sind meine Begegnungen mit manchen „Tierschutzhunden“ bzw. deren Haltern immer kurioser geworden. [Dieser Beitrag enthält Werbung durch Markennennung & Verlinkung]

Ich habe auch keine Lust mehr, mich vor Irgendwem zu rechtfertigen, warum ich denn keinem „Tierschutzhund“ eine zweite Chance gegeben habe. Henry ist ein „Bauernhof-Unfall“. Zwischen ihm und mir hat es beim ersten Treffen sofort gefunkt. Der und kein Anderer! Mit der ländlichen Herkunft meines Vierbeiners komme ich in solchen Gesprächen noch halbwegs gut weg. Manchmal muss ich zwar noch versichern, dass auch wirklich kein „Vermehrer“ die Finger im Spiel hatte, aber „immerhin ist er nicht vom Züchter“. Geht´s noch?

Wenn ich mir einen Hund vom Züchter holen möchte, tue ich das auch – und zwar mit derselben Verantwortung, wie einen vom Bauernhof.

Und bestimmt mit mehr Verantwortung, als Mancher seinen „Tierschutzhund“ übernommen hat. „Ach, der Arme, er guckt so süß! Bei uns hat er es immerhin besser, als in der Tötungsstation …“ Am Flughafen geben die schwarzen Schafe unter den „Tierschutzorganisationen“ die Verantwortung direkt mit der Leine an den neuen Besitzer ab. Ein Hund mehr auf der „erfolgreich vermittelt Statistik“. Der „gerettete“ Vierbeiner, der bisher weder das Leben in einer Wohnung noch in einer Großstadt kennt, erleidet erstmal den Kulturschock schlechthin.

Dies fällt von nun an zum Beispiel in den Verantwortungsbereich einer jungen Studentin, die es so gut gemeint hat. Und bei ihrem Job erstmal ein paar Stunden draufschlägt, um zweimal die Woche Einzelstunden in der Hundeschule zu finanzieren … Ein besonderer Hund und eine idealistische Halterin – aber die Richtigen füreinander? Spätestens, wenn sich der überforderte Auslandshund von seinem ebenfalls überforderten Frauchen losreisst und durch die Rush-Hour stürmt, drängt sich der Gedanke auf, ob dieser Vierbeiner nicht vielleicht in einer ländlicheren Umgebung besser aufgehoben wäre.

Mehr als 3.000 Hunde sind herrenlos in Deutschland unterwegs – die meisten davon stammen aus Ost- oder Südeuropa, wissen beteiligte Organisationen.

„Rumänische Strassenhunde haben wenig Lust, auf deutschen Sofas herumzusitzen“, weiß der professionelle Hundesucher Heino Krannich. Aber warum reicht den Vierbeinern ihr neues Zuhause denn nicht? Sie sollen doch soviel dankbarer sein, als andere Hunde. Ich frage mich, warum Hunde überhaupt dankbar für etwas sein sollen, das eigentlich selbstverständlich ist? Mein Hund muss mir nicht dankbar dafür sein, dass ich ihn seinen Ansprüchen entsprechend halte.

Auch Vierbeiner, die einen schwierigen Start ins Leben hatten, haben die gleichen Rechte UND Pflichten, wie alle anderen Hunde. Mir tut es jedes Mal fürchterlich Leid, wenn einem Hund übel mitgespielt wurde. Trotzdem gibt es ihm nicht das Recht, seine Menschen oder meinen Hund zu nötigen. Natürlich hilft es zu wissen, warum die eine oder andere Verhaltensauffälligkeit an den Tag gelegt wird, um entsprechend darauf zu reagieren. Aber die Herkunft eines „Tierschutzhundes“ sollte keine Entschuldigung dafür sein, wenn der Vierbeiner allen auf der Nase herumtanzt.

In letzter Zeit habe ich das Gefühl, dass sich manche Menschen über einen „Tierschutzhund“ ebenso profilieren, wie über einen „Rasse-“ oder „Listenhund“.

Umso mehr bewundere ich alle, die sich aus ehrlicher Überzeugung im Tierschutz engagieren. Zum Beispiel die ehrenamtlichen Helfer vom Pluto Tierschutz Europa e. V. , die ich zum Teil persönlich kenne und weiß, mit wieviel Herz und Kompetenz hier gehandelt wird. Am Konzept von Pluto finde ich super, dass es Vor- und Nachkontrollen gibt sowie Beratung und Betreuung auch nach der Vermittlung. Die Plutos geben sich große Mühe zu vermeiden, dass einer ihrer Schützlinge jemals wieder auf der Straße oder im Tierheim landet.

Das Motto „Tierschutz fängt vor der Haustür an und endet nicht an der Landesgrenze“ bedeutet für Pluto, dass auch Vierbeiner aus dem Ausland vermittelt werden. Diesem Punkt stehe ich kritisch gegenüber. Der hiesige Tierschutz steht stärker denn je in Konkurrenz zum Auslandstierschutz, an den ein Großteil der Spenden geht. Dabei ist der Alltag in unseren Tierheimen längst nicht optimal. Das Thema ist komplex, auch Fördergelder für Tierheimplätze spielen eine Rolle. Eine sinnvolle Zusammenarbeit zwischen deutschen Tierheimen und ausländischen Organisationen ist zum Beispiel die Vermittlung der Nachfrage entsprechend. Beherbergt ein Tierheim keine kleinen, sondern nur noch große Hunde, können entsprechende Fellnasen aus dem Ausland nachrücken …

Wie ich Auslandstierschutz am besten finde, ist der von Dr. Aurelian Stefan für Romania Animal Rescue betriebene. Dr. Aurelian Stefan und sein Team gehören zu den Pionieren des sogenannten „Spay/Neuter“ und reisen in unterschiedliche rumänische Gebiete, wo sie bis zu 50 herrenlose Tiere am Tag kastrieren. Mit dem mobilen Tierkrankenhaus versorgt die Organisation außerdem verletzte Streuner und betreibt Aufklärungsarbeit bei der Bevölkerung. Diese drei Säulen sind die Basis für Auslandstierschutz, wie er auf lange Sicht erfolgreich sein kann. Bei Romania Animal Rescue könnt ihr gezielt spenden und entscheiden, ob ihr eine Kastration, das mobile Tierkrankenhaus oder die Aufklärungsarbeit unterstützen möchtet.

Ernsthafter Einsatz geschieht nicht nur aus Mitleid. Und ein Hund verdient es nicht, dass ihm ein Stempel aufgedrückt wird. Es kann sein, dass mein nächster ein „Zucht-“ oder auch ein „Tierschutzhund“ ist. Aber das werde ich niemandem auf die Nase binden, sondern meinen Hund einfach Hund sein lassen. Das reicht doch schon!

Eure

Stefie-Sign

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